Als Jörg Stulga bereits im Jahr 1998 eine Zeitschrift las, wo angehenden Existenzgründern neue Geschäftsideen vorgestellt wurden, ist Ihm schon damals klar geworden, dass er auch gern einmal selbständig sein möchte. Die Chance, frei seine Entscheidungen zu treffen, sich selbst seine Ziele zu setzen und bei der Zielerreichung stolz auf den eigenen Verdienst zu sein, reizte Stulga seitdem sehr. Als die berufliche Perspektive als Angestellter immer unbefriedigender wurde, kündigte Stulga und wagte den Sprung in die Eigenständigkeit.
Die ersten Erfahrungen in der Selbständigkeit sammelte Stulga als Franchisenehmer bei einem anderen Brötchendienst. Doch diese Franchisekooperation schränkte Ihn stark in der Entwicklung seines Geschäfts ein. Er konnte dort nicht die Freiheiten eines Unternehmers nutzen und musste viele Regeln seiner Partner befolgen. Aus dieser Unzufriedenheit heraus gründete Jörg Stulga 2004 den Brötchenlieferdienst „Ihr Brötchenbursche“ und baute sich sein eigenes Unternehmen nach seinen Vorstellungen und mit seinen persönlichen Zielen auf. Seit 2008 bietet er anderen Gründungswilligen im Bereich der Brötchenlieferdienste sein Know How und seinen Firmennamen „Ihr Brötchenbursche“ in Form eines Kooperationsvertrages an. Stulga möchte aufgrund seiner eigenen Franchiseerfahrungen seinen Partnern keine Regeln diktieren oder in Knebelverträge zwingen. Im Gespräch mit Geschäftsideen.de spricht Jörg Stulga über seine eigenen, lehrreichen Erlebnisse als Existenzgründer und gibt hier allen Lesern kostbare Tipps für die eigene Selbständigkeit.
1. Bitte stellen Sie sich kurz unseren Lesern vor.
Stulga: „Mein Name ist Jörg Stulga und ich bin mittlerweile 37 Jahre alt. Nach dem Abitur absolvierte ich erfolgreich ein Studium zum Wirtschaftsingenieur. Anschließend arbeitete ich ca. 3 Jahre im Vertriebsinnendienst in einer größeren Firma. Die Arbeit war nicht schlecht und hat durchaus Spaß gemacht. Aber irgendwie fehlten mir die Ziele. Ich hatte schon immer den Traum von der Selbständigkeit. Nur fehlte mir lange Zeit der nötige Mut, um den Sprung in die Selbständigkeit zu wagen. Ich wurde sehr unzufrieden mit meiner Situation als Angestellter. Irgendwann rüttelte mich ein Freund wach und meinte: „so kann es nicht weitergehen. Willst Du jetzt den Rest Deines Lebens von der Selbständigkeit träumen, oder willst Du mal endlich was machen?“ Das war das nötige Startsignal. Ich kündigte meinen Job und machte mich 2002 mit einen Brötchenlieferdienst selbstständig.“
2. Wie und wann kamen sie auf diese Geschäftsidee und was macht Ihre Idee so einzigartig?
Stulga: „Die Idee, morgens den Leuten Brötchen zu bringen, hatte ich schon als Jugendlicher. Damals verteilte ich die "Bild am Sonntag". Ich brachte den Leuten die Zeitungen und die mussten dann noch einmal los, um sich Brötchen zu holen. Da war mir klar, dass es sicher einen Markt dafür geben würde, Brötchen an die Haustüren zu bringen.
Irgendwann, ich denke es muss so im Jahre 1998 gewesen sein, bekam ich die Zeitschrift „die Geschäftsidee“ in die Hand. Das war für mich wie eine Erleuchtung und ich war völlig fasziniert von den Ideen, mit denen sich die Leute selbständig machen. Ich abonnierte „die Geschäftsidee“ und träumte noch einige Jahre von meiner eigenen Firma und las gespannt über die vorgestellten Geschäftsideen. Irgendwann stand da ein Bericht über zwei Franchiseunternehmen in der Zeitschrift, die private Haushalte morgens mit Brötchen beliefern. Das war zu der Zeit, als mir die Erkenntnis kam, dass ich nun den Sprung in die Selbständigkeit wagen muss. Ich würde behaupten, dass ich ohne „die Geschäftsidee“ heute nicht das machen würde, was ich mache. Daher finde ich Ihr Portal auch ganz toll - ich denke, Sie helfen Menschen sehr, die eine Idee für eine eigene Firma suchen.
Kurz und gut: ich nahm Ende 2001 zu einen der beiden Franchiseunternehmen Kontakt auf und wurde im Februar 2002 Franchisenehmer. Nach ca. 2 Jahren kam ich aus dem Franchisevertrag raus und gründete in Eigenregie „Ihr Brötchenbursche“.“
3. Wie verlief die Gründungsphase Ihres Unternehmens? Gab es einen entscheidenden Meilenstein, unerwartete Fortschritte oder Rückschläge während der Gründungsphase?
Stulga: „Die Gründungsphase als Franchisenehmer verlief überaus erfolgreich. Nach ca. 3 Wochen musste ich schon den ersten Auslieferungsfahrer einstellen. Das Know How des Franchisegebers half mir sehr bei dem Aufbau der Firma. Leider musste ich feststellen, dass ich als Franchisenehmer auch nicht wirklich zufrieden wurde. Ich wurde in ein sehr enges Korsett geschnürt, musste zu viele Regeln des Franchisegebers beachten. Mir fehlte einfach die Gestaltungsfreiheit. Als echten Meilenstein sehe ich die Gründung von „Ihr Brötchenbursche“. Im Jahre 2004 kam ich unverhofft aus dem Franchisevertrag heraus, so dass ich jetzt wirklich unternehmerisch gestalten konnte. Ich baute zunächst bei mir in der Region einen Kundenstamm von ca. 1.500 festen Dauerkunden auf.
Seit ca. 2008 bieten wir verstärkt interessierten Menschen, die sich mit einem Brötchenlieferdienst selbstständig machen möchten, unser Konzept an. Dabei treten wir bewusst nicht als Franchisegeber auf. Wir verstehen uns vielmehr als Dienstleister für diese Brötchenlieferdienste, die unter dem Namen „Ihr Brötchenbursche“ agieren können. Wir versuchen unsere Partner nicht durch Verträge, sondern durch echte Leistungen an uns zu binden. Wenn einer nicht mehr Brötchenbursche sein möchte, kann er jederzeit aufhören und seinen Betrieb unter einen anderen Namen weiterführen. Interessanterweise hat dies erst ein Partner gemacht - der aber mittlerweile seinen Lieferdienst aufgegeben hat.
Wir bieten das nötige Know How, helfen z.B. auch bei der Bäckereisuche, zeigen wie man Kunden gewinnt und vieles mehr. Der Kern unserer Leistungen sind aber die Bürodienstleistungen, die wir unseren Partnern bieten. Die Kunden unserer Partner können über eine kostenlose 0800er-Servicenummer anrufen und die Bestellungen aufgeben. Unsere Zentrale nimmt diese Bestellungen entgegen, so dass unsere Partner sich tagsüber nicht mit der Bestellannahme beschäftigen müssen. Außerdem haben die Kunden rund um die Uhr die Möglichkeit, die Bestellungen auf broetchenbursche.de zu verwalten. Unsere Partner loggen sich einfach über das Internet in unsere Software ein und beziehen da zum Beispiel die Tourenlisten, Bestellungen und vieles mehr.“
4. Welche Probleme gab es bei der Gründung des Unternehmens und welche Herausforderungen mussten von Ihnen bewältigt werden?
Stulga: „Das größte Problem zu Anfang war, eine Bäckerei zu finden, die mit mir zusammenarbeiten wollte. Mir erklärten die Bäckereien, dass das Geschäftsmodell nicht funktionieren würde und ich die Finger davon lassen solle (viele dieser Bäckereien gibt es heute nicht mehr). Man hat auch von vielen Seiten nur ein mitleidiges Lächeln bekommen, als man erzählte, was man vorhat. Ich denke, das war das größte Problem und ich wundere mich heute, dass ich mich davon nicht beeindrucken ließ.
Aus der Erfahrung, dass die Bäckereisuche manchmal schwierig ist, habe ich gelernt, dass man den Partnern, die sich mit uns selbstständig machen wollen, helfen muss. Wir sind da mittlerweile sehr professionell und finden so gut wie immer eine passende Bäckerei und vor allem handeln wir sehr gute Einkaufsrabatte aus.“
5. Wie hoch war das Startkapital Ihres Unternehmens und wie wurde dies finanziert?
Stulga: „Zu Anfang brauchte ich nur einige tausend Prospekte, mit denen ich den Kunden meine Dienstleistung an den Haustüren vorstellen konnte. Das Startkapital betrug ca. 2.000-3.000 Euro, wobei ich sehr schnell auch an dem Geschäft verdienen konnte.“
6. Welche Eigenschaften sollte ein Existenzgründer mitbringen?
Stulga: „Ich denke, wenn man ein Geschäft gründet, muss man sich zu 100% auf dieses Geschäft einlassen. Man muss bereit sein, 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr für das Geschäft zu leben. Das darf aber kein „muss“ sein, sondern sollte man von Herzen machen und Freude daran empfinden.“
7. Starteten Sie in Ihre Selbständigkeit haupt- oder nebenberuflich und was bedeutet es für Sie, selbständig zu sein?
Stulga: „Ich startete das Geschäft hauptberuflich und die Selbstständigkeit bedeutet für mich Gestaltungsfreiheit, sich Ziele setzten können, diese Ziele zu verfolgen, die Ziele erreichen und dann neue Ziele setzten.“
8. Welche Prinzipien haben Sie als Unternehmer?
Stulga: „Mir ist es wichtig, ehrlich und fair mit meinen Geschäftspartnern umzugehen.“
9. Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie heute an wie vielen Standorten und wie umfangreich ist Ihr Brötchensortiment?
Stulga: „Im Moment arbeite ich mit 35 selbständigen Partnern zusammen. Diese Partner arbeiten in ganz verschiedenen Orten innerhalb von Deutschland. Ich selber arbeite mit 16 Auslieferungsfahrern in meinem Verteilgebiet. Ich gehe davon aus, dass mittlerweile 150-200 Menschen in irgendeiner Form am Erfolg des Brötchenburschen mitarbeiten. Die Partner haben ja auch fast alle Auslieferungsfahrer und Werber...“
10. Wie schätzen Sie Ihre eigene Situation bezüglich Marktanteile, Umsatzentwicklung, Konkurrenz und eigenem Wachstumspotenzial ein?
Stulga: „Ich kann mir vorstellen, dass wir in 10 Jahren mit 100 selbstständigen Partnern zusammenarbeiten können. Aber sicher kann man da nicht sein - vielleicht werden es weniger sein - vielleicht aber sogar mehr. Konkurrenz gibt es sicherlich. Im Moment beschleunigt sich unser Wachstum, ich bin mit der momentanen Entwicklung sehr zufrieden.“
11. Wie beschreiben Sie Ihre anvisierte Zielgruppe und welche Marketingaktivitäten/Marketing-Mix erachten Sie als besonders wichtig, um diese Zielgruppe zu erreichen?
Stulga: „Kunden, die sich vom Brötchenburschen beliefern lassen, sind größtenteils jüngere, moderne Familien. Bevorzugt liefern wir in Siedlungen mit 1-3 Familienhäusern. Wir bieten diesen Haushalten eine kostenlose Probelieferung von 5 Brötchen an. So können sich die Menschen von unserem Service überzeugen und treue Brötchenbursche-Kunden werden.“
12. Was ist Ihr nächsten Meilenstein und wie wollen Sie diesen erreichen?
Stulga: „Wir wollen weiter wachsen. Als Ziel in den nächsten 2 Jahren könnte ich mir vorstellen, dass wir deutschlandweit mit 50 selbstständigen Partnern zusammen arbeiten. Wir wollen verstärkt in die Medien kommen. Da können wir noch aktiver werden.“
13. Wo sehen Sie in der Zukunft die größten Herausforderungen für Existenzgründer und Selbständige?
Stulga: „Ich meine, man hat in Deutschland alle Möglichkeiten, sich selbständig zu machen. Man stößt täglich auf Herausforderungen, diese konsequent annehmen und täglich seine Arbeit machen, führt meistens zum Erfolg.“
14. Wenn Sie aus Ihren Erfahrungen beim Gründen eine wichtige Erkenntnis an andere Gründer weitergeben müssten, welche wäre das?
Stulga: „Beim Gründen an seine Idee glauben, auch wenn viele skeptisch sind. Entweder konsequent die Sache durchziehen, oder es lieber lassen.“
Durch unseren kostenlosen Ratgeber lernen Sie die besten Geschäftsideen des Jahres 2011 kennen. Hierbei stellen wir Ihnen jede Geschäftsidee im Detail vor und zeigen, über welche Eigenschaften eine Geschäftsidee verfügen muss, um am Markt gute Aussichten auf nachhaltigen Erfolg zu haben.
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