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Drei Nationen und eine Idee: mit Vigno startet ein moderner Online-Weinhandel
29.09.2011

Drei Nationen und eine Idee: mit Vigno startet ein moderner Online-Weinhandel

An der Côte d’Azur kam der erfahrene Geschäftsmann Daniel Klarkowski mit seinen Freunden Alexander Lunt und Raphael Agasse auf eine neues Geschäftsmodell im Bereich den Weinhandels. Die drei Freunde fanden, dass die klassische Form des Online-Weinhandels ausgedient hatte. Anstatt wie bisher, Weine verschiedener Weingüter zu importieren und im eigenen Weinlager bis zum Verkauf zwischen zu lagern, sollte nun eine kostengünstigere Möglichkeit des Weingenießens entstehen. So wurde ein Handelsmodell entwickelt, was durch große Einkaufsmengen und ohne Zwischenlagerung seine Weine günstig anbieten kann.

Seine jahrelangen Erfahrungen im Internet- und Start-Up-Bereich konnte Daniel Klarkowski nun bei der Gründung seines eigenen Unternehmens sinnvoll und zielgerichtet anwenden. Die beiden Mitbegründer, Alexander Lunt und Raphael Agasse, haben ebenfalls bei renommierten Unternehmen der Internetbranche gearbeitet, bevor sie gemeinsam den neuartigen Weinhandel Vigno.de gründeten. Der Erfolg des noch jungen Start-Ups beruht vor allen auf den exzellenten Weinkenntnissen von Raphael Agasse und den niedrigen Einkaufspreisen bei den ausgewählten Weinhändlern. Durch Sonderaktionen werden wöchentlich vier bis sechs neue Weine eines Weingutes angeboten. Die Weinbestellungen werden anschließend gebündelt und durch die so entstandenen große Abnahmemengen können sehr gute Einkaufspreise für die hochklassigen Weine erzielt werden. Durch ein Just-in-Time Prinzip wird der kostentreibende Zwischenhandel und die Lagerung umgangen, was sich auch in den niedrigen Kundenpreisen widerspiegelt. Wie genau das Geschäftsmodell von Vigno.de funktioniert und welche Hindernisse und Probleme die drei Freunde bei der Gründung überwinden und lösen mussten, verrät uns Geschäftsführer Daniel Klarkowski im Interview mit Geschäftsideen.de.

 

1. Bitte stellen Sie sich kurz unseren Lesern vor.

Klarkowski: „Mein Name ist Daniel Klarkowski und ich bin 36 Jahre alt und lebe in Potsdam. Ich bin seit mehr als 10 Jahren im Internetsektor tätig und seit etwa 4 Jahren im Start-Up Bereich. Davor war ich bei etablierteren Internetmarken als Manager in verschiedenen Positionen im Einsatz.“

2. Wie und wann kamen sie auf diese Geschäftsidee und was macht Ihre Idee so einzigartig?

Klarkowski: „Die Idee entstand zusammen mit meinen Mitgründern Alexander Lunt und Raphael Agasse im letzten Sommer an der Cote-d-Azur. Im Weinbereich im Internet gibt es vorwiegend traditionelle Online-Shops oder klassische Versandhändler. Wir bieten mit Vigno.de eine neue, aufregende Art Wein einzukaufen und machen teure Weine für mehr Leute erschwinglich.“

3. Wie verlief die Gründungsphase Ihres Unternehmens? Gab es einen entscheidenden Meilenstein, unerwartete Fortschritte oder Rückschläge während der Gründungsphase?

Klarkowski: „Wir haben bereits mehrere Start-Ups zuvor gegründet, daher lief der Gründungsprozess relativ glatt, obwohl es eine besondere Herausforderung war, ein Unternehmen zu gründen, in dem die drei Gründer drei verschiedene Nationalitäten haben. Raphael ist Franzose, Alexander ist Engländer und ich bin Deutscher – da laufen Notartermine etwas anders ab, als bei einem rein deutschen Team.
Neben dem Launch in Deutschland und Frankreich war vor allem der Moment, als wir endlich unsere Genehmigung zum Import von Wein und Champagner bekommen haben, ein besonderes Highlight.“

4. Welche Probleme gab es bei der Gründung des Unternehmens und welche Herausforderungen mussten von Ihnen bewältigt werden?

Klarkowski: „Wir hatten erwartet, dass die EU doch einheitlichere Regelungen hat und es einfachere Dinge gibt, als sich durch den Formularprozess und die Regelungen für den Import und Export von Wein und Champagner zu graben. Immer, wenn wir dachten, dass wir endlich alles beisammen haben, gab es ein neues Formular und einen neuen Prozess, den wir noch durchlaufen mussten. So haben wir einige Wochen verloren, in denen wir technisch bereit waren, aber auf die Zollgenehmigungen warten mussten. Trotz allem muss man sagen, dass wir vom Zoll gut unterstützt wurden.“

5. Wie hoch war das Startkapital Ihres Unternehmens und wie wurde dies finanziert?

Klarkowski: „Wir haben als Gründer zunächst je 1.500 Euro eingezahlt und eine UG gegründet. Danach haben wir eine kleine Seedfinanzierung mit Business Angels gemacht und werden die Gesellschaft später in eine GmbH wandeln.“

Vigno.de

6. Welche Eigenschaften sollte ein Existenzgründer mitbringen?

Klarkowski: „Vor allem Ausdauer, Begeisterung und Leidensfähigkeit. Eine Gründung ist eine Extremsituation: Man geht große Risiken ein und für Familie, Freunde, Hobbys und Schlaf bleibt wenig Zeit und auch finanziell muss man in der Regel genügsam sein. In dieser Phase kann es sein, dass man zusätzlich zum Gründerstress auch noch Probleme mit dem Partner, Sportverein oder anderen Leuten bekommt, für die man plötzlich kaum noch oder keine Zeit mehr hat. Hier muss man ein guter Diplomat sein und auch etwas wegstecken können.“

7. Starteten Sie in Ihre Selbständigkeit haupt- oder nebenberuflich und was bedeutet es für Sie, selbständig zu sein?

Klarkowski: „Wir haben Vigno vorbereitet, während wir noch in anderen Jobs angestellt waren. Nur in der letzten Phase vor dem Launch sind wir dann Vollzeit zu Vigno gewechselt. Deshalb hat unsere Gründung auch fast ein Jahr von der Gründung bis zum Start gedauert. Selbständig zu sein, bedeutet für mich vor allem Flexibilität. Ich kann selbst entscheiden, wann ich was mit wem wie tue und muss mir vor allem keine Zeit mit Meetings rauben lassen, auf die ich keine Lust habe.
Auch in Hinsicht, wann und wo ich arbeite, genieße ich die Selbständigkeit. So kann ich am Nachmittag auch mal eine Stunde mit meinen Kindern Fußball spielen und an anderer diese Zeit nacharbeiten, bin aber viel ausgeglichener und motivierter.“

8. Welche Prinzipien haben Sie als Unternehmer?

Klarkowski: „Ich lege vor allem Wert auf eine Win-Win-Situation und einem fairen Miteinander. Bei einem Geschäft müssen immer beide Seiten profitieren auch wenn man ab und zu die Unwissenheit oder andere Faktoren ausnutzen könnte, so werde ich das nicht tun. Man sieht sich immer zwei mal im Business und ich möchte meinen guten Ruf behalten und keine Leute haben, die durch die Internetbranche laufen und erzählen, wie sie von mir über den Tisch gezogen wurden. Jemanden betrügen kann man in der Regel nur einmal – Ich bevorzuge es langfristige Beziehungen und Geschäftsverbindungen aufzubauen.“

9. Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie heute an wie vielen Standorten und wie umfangreich ist Ihr Sortiment?

Klarkowski: „Wir sind ein kleines Team mit einem Büro in Berlin. Raphael unser Einkäufer und Weinexperte hingegen lebt und arbeitet von Frankreich aus und fährt dort von Weingut zu Weingut, um neue Deals für Vigno zu besorgen.
Wir bieten jede Woche eine kleine Auswahl von ca. 4-6 Weinen eines Weingutes zu Sonderpreisen an. Quasi “Eine Woche, Ein Winzer”.“

10. Wie schätzen Sie Ihre eigene Situation bezüglich Marktanteile, Umsatzentwicklung,  Konkurrenz und eigenem Wachstumspotenzial ein?

Klarkowski: „Wir sind ja erst im August gestartet, daher lässt sich aus der kurzen Zeit noch nicht viel ablesen. Wir sind aber sehr zufrieden mit dem bisherigen Verlauf. Schließlich sind wir seit Anfang September nun auch in Frankreich aktiv und starten bald in England.“

11. Wie beschreiben Sie Ihre anvisierte Zielgruppe und welche/n Marketingaktivitäten/Marketing-Mix erachten Sie als besonders wichtig, um diese Zielgruppe zu erreichen?

Klarkowski: „Unsere Zielgruppe sind eher ältere Männer, die man vor allem über traditionelle Werbeformen erreicht und über ein glaubwürdiges Auftreten. Social Media Präsenzen pflegen wir zwar auch, aber glauben nicht dass das ein Hauptkanal zur Kommunikation mit Käufern von exklusivem Wein wird.“

12. Was sind Ihre nächsten Meilensteine und wie wollen Sie diesen erreichen?

Klarkowski: „Wir arbeiten vor allem am Launch in England und wieder spielt hier der Zoll eine besondere Rolle, weil es spezielle Einführzölle für Wein in UK gibt. Wir werden aber auch das in Kürze gelöst haben.“

13. Wo sehen Sie in der Zukunft die größten Herausforderungen für Existenzgründer und Selbständige?

Klarkowski: „Zum einen steigen die Geschwindigkeiten immer weiter und auch die Klonfabriken wachsen in Anzahl und Schlagkraft. Man muss also immer schneller mit Ideen an den Start gehen und sehr schnell wachsen, um genügend Abstand zu möglichen Copycats aufzubauen. Zum anderen Verteuern sich die Ressourcen, d.h. durch den Gründungsboom in Berlin werden Mieten und Lebenshaltungskosten hier weiter anziehen.“

14. Wenn Sie aus Ihren Erfahrungen beim Gründen eine wichtige Erkenntnis an andere Gründer weitergeben müssten, welche wäre das?

Klarkowski: „Es kommt alles anders als man denkt. Daher sollte man flexibel und bereit sein, sich kontinuierlich zu ändern.“

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